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freies Herz Die Reinheit des Herzens

Aus
„LA SAGESSE D'UN PAUVRE“
von Eloi Leclerc

  • „Weißt du, was die Reinheit des Herzens ist?“ fragte der Heilige Franz
  • „Wenn man sich keine Fehler vorzuwerfen hat,“ antwortete Léon.
  • „Dann allerdings verstehe ich deine Traurigkeit, denn du wirst immer Fehler haben. Glaube mir, Léon,“ sagte der heilige Franz weiter, „kümmere dich nicht so sehr um die Reinheit deiner Seele! Richte deinen Blick auf Gott. Bewundere Ihn, der ganz Heiligkeit ist. Sage Ihm Dank um Seiner selbst willen. Auf diese Weise kleiner Bruder, hast du ein reines Herz. Und wenn du so zu Gott hingewandt bist, kehre nur ja nicht zu dir selber zurück. Frage dich nicht, wo du mit Gott dran bist. Die Traurigkeit, nicht vollkommen zu sein und sich als Sünder zu bekennen, ist wiederum ein menschliches, allzu menschliches Empfinden. Du mußt deinen Blick viel höher erheben, sehr viel höher. Da ist Gott, die Unermeßlichkeit Gottes und seine unveränderliche Herrlichkeit. Das reine Herz ist das Herz, welches ohne Unterlaß den wahren und lebendigen Gott anbetet. Es nimmt tiefen Anteil am göttlichen Leben selbst und es ist fähig, inmitten all seines Elends, mit der ewigen Unschuld und der ewigen Freude Gottes mitzuschwingen. Ein solches Herz ist gleichzeitig befreit und erfüllt. Es genügt ihm, das Gott Gott ist. Eben darin findet es seinen ganzen Frieden, seine ganze Freude. Und Gott selbst ist somit die Heiligkeit dieses Herzens. Die Heiligkeit ist nicht eine Vervollkommnung unserer selbst, noch eine Fülle, die wir uns geben. Sie ist vor allem eine Leere, die man entdeckt und annimmt und die Gott füllen will in dem Maße, in dem wir uns seiner Fülle öffnen. Unser Nichts - wenn wir es annehmen - wird ein leerer Raum, in dem Gott noch was schaffen kann. Gott läßt sich von niemandem Seine Ehre rauben. Er ist der Herr, der Einzige, der allein Heilige. Aber er nimmt den Armen bei der Hand, zieht ihn empor aus dem Schmutz und heißt ihn sitzen unter den Edlen seines Volkes, damit der Arme Seine Herrlichkeit sehe. Die Herrlichkeit Gottes betrachten, Bruder Léon, daß Gott Gott ist in Ewigkeit - weit über das hinaus, was wir sind oder sein können, sich freuen an dem, was Er ist, sich an seiner ewigen Jugend begeistern und Ihm danksagen wegen Seiner selbst, wegen seiner immerwährenden Barmherzigkeit -, das ist die größte Forderung jener Liebe, die der Geist des Herrn unaufhörlich in unsere Herzen ausgießt. Darin besteht die Reinheit des Herzens. Aber diese Reinheit kann man nicht mit Gewalt erlangen.“ -
  • „ Wie kann man sie erreichen?“ fragte Léon.
  • „Man muß einfach nichts von sich selbst zurückbehalten. Alles ausfegen - auch jene schmerzhaften Wahrnehmungen unseres Elends. Reinen Tisch machen - annehmen, daß man arm ist. Auf alles verzichten, was drückend ist, selbst auf die Last unserer Fehler. Allein die Herrlichkeit des Herrn sehen und sich davon bestrahlen lassen. Gott ist, das genügt. Dann wird das Herz leicht. Es fühlt sich selbst nicht mehr, wie die Schwalbe, die trunken ist vom Blau und von der Weite. Es hat alle Sorgen und alle Unruhe aufgegeben. Sein Wunsch nach Vollkommenheit ist zu einem einfachen und reinen Verlangen nach Gott geworden.
  • RED, in den PC übernommen am 21.Okt.1998
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