/xmlTexte/; Flaschenpost - etwas zum lesen von R. E. Dick

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Flasche Flaschenpost

1. Die Bierflasche

  • Also, ich würd das hier nicht schreiben, wenn es wahr wäre. Und obwohl es so unglaublich ist, wird es der ein oder andere Mensch für möglich halten. Vor mir stand eine Flasche Bier und erzählte mir eine Geschichte:
  • Ich versichere, dass ich nicht betrunken war. Wie denn auch? Die Bierflasche war leer, alt und verschmutzt. Ich hatte ihr ein Blatt Papier entnommen. Dieses war fleckig und zugleich mit schwungvollen Schriftzeichen verziert . Lesen konnte ich es nicht, es konnten ein paar wenige Worte sein, die darauf standen. Die Flasche war mit wenigen Seepocken bedeckt. Ansonsten war sie verkratzt, braunes Glas ohne Etikett, so wie ich sie vom Ufer des Meeres aufgehoben hatte. Sie war tatsächlich verkorkt, mit einem Stopfen aus Wachs oder Fett um ein Stück Holz. Vielleicht war auch etwas Hanf unter dem Kopf des gefetteten Holzstopfen zum abdichten verwendet worden. Das Dokument, Papier war jedenfalls gut erhalten. Es könnte ein dünnes helles Seidenpapier sein, dachte ich mir. Ich betrachtete es in der Lampe und erkannte das Bild eines Drachen als Wasserzeichen. Ja und dann war da dieser unverkennbare Geruch, der nach dem Öffnen, den Schluss zuließ, dass es eine sehr alte Bierflasche war, die vor dem Verschließen wohl nicht ausgespült worden war.
  • Woher ich diese Flasche hatte, wird sich jemand fragen. Ja ich bin ein Einzelgänger und es macht mir auch nichts aus, kilometerlange Strecken allein und ohne jede Begleitung hinter mich zu bringen. Und ich bin von Natur aus neugierig.
  • An diesem Nordseestrand ging ich also am Watt entlang und besah mir die Reste, welche die Flut zurückgelassen hatte. Quallen, ja es lagen einige Quallen am Strand, nicht nur gewöhnliche, sondern auch sogenannte Feuerquallen und die noch gefährlicheren feuerspeienden Quallen. Sicherlich wird manch einer behaupten, dass es die nicht gibt, aber wer diese überaus seltene Spezies noch nie gesehen oder am Strand gefunden hat, der kann sie auch nicht kennen. Feuerspeiende Quallen sind wie kleine Drachen und spucken Feuer, nur dass es niemand merkt, weil das Wasser ringsherum, das Feuer löscht.
  • Wie man so seltenes Getier findet?
  • Also erstmal gehst du vom Hafen los und immer am Deich lang. Nach 4 Stunden laufen nimmst du dir nen Schluck aus der Pulle und isst eines deiner Brote, die du ja mitgenommen hast. Wenn du am Morgen los gegangen bist und das Wasser sich vom Deich zurückgezogen hat, dann ist nun möglicherweise schon Mittag und bald Zeit zurückzulaufen, damit du später müde heim kommst. Wenn du aber nach 4 Stunden den Mut hast und die Ebbe gerade weit genug ist, dann könntest du, wenn du weiter gehst den berühmten Gedankengang finden. Der Gedankengang ist ein sehr variabler Weg hinüber zu einer phantastischen, oder sollte es fantasievolle heißen, Landzunge mitten in der See. Es gibt Leute, die sagen, der Weg zu dieser oft von einer steifen Briese und voller Gedankenwolken verhangenen Hallig sei mit Gras bewachsen. Das ist aber wohl unsinn! Vielmehr ist es ein glitschiger mit Stein gepflaster etwas puckliger und geschwungen verlaufender Pfad, der mal mehr links, mal mehr rechts geschwungen hinüber führt. Wenn du dich bei Ebbe beeilst, dann kommst du sicher hinüber bis die Flut kommt, wenn aber das Wasser schon anschwillt, dann geht es oft sehr schnell und du solltest den Weg nicht versuchen. Ich für meinen Teil hab diesen Weg schon öfter gemacht und am einfachsten war es immer, wenn um die Mittagszeit Ebbe war. Gut ok, wenn du drüben bist, kommt die Flut und es gibt kein zurück, für mich war es aber kein Problem, so vom Land abgeschnitten zu sein, ich bin ja ein Einzelgänger.
  • Ich hatte also ausreichend Verpflegung und warme Sachen an.
  • Ja, wenn dann die Flut kommt, dann bist du auf dieser Landzunge auf dich allein gestellt. Ok, ich geb zu: ich hab da mal ein paar junge Frauen getroffen. Ich glaube, die hatten ein paar Kanuboote, ich kann diese Boote aber für die Nordsee nicht empfehlen. Was ich mit den jungen Frauen erlebte, war sehr nett, kann ich hier aber nun nicht erzählen. Es geht ja um jene Flasche, die ich hier gefunden hatte.
  • Genau hier lagen auch feuerspeiende Quallen. Naja die waren tot, das Feuer war aus ihnen gewichen. Ich hatte dann also viel Zeit, bis die Flut die Hallig umschlossen hatte, und schliesslich auch wieder zurückwich. Und einmal lag da eben diese Flasche. Steine, Granaten, Muscheln, Seesterne sind hier viele zu finden. Doch eine solche Flasche gibt es eben selten. Eine Glasflasche ist heute wirklich etwas besonderes und sticht aus all dem Plastikmüll deutlich hervor. Da ich mich bei der einsetzenden Ebbe zu beeilen hatte, habe ich die Flasche nur abgespült und in meinen Rucksack verstaut.
  • 2. Die Landzunge

  • Direkt an der Nordsee liegt also diese Landzunge, eine Hallig, die wohl nur für diese Geschichte erfunden wurde. Sie kann also nicht gefunden werden und ist auch auf keinen Karten eingezeichnet. Das macht diese Landzunge wohl besonders interessant.
  • Von welchem Hafen aus diese Hallig zu erreichen sei, ist auch nicht so sicher. Es kommen wohl zwei in Frage, ob man nun von rechts oder von links kommt. Natürlich kann man auch mit Booten dort landen; nein für ein Schiff ist das ausgedehnte Watt um die Landzunge nicht passierbar, einen Hafen oder Anleger gibt es nicht. Deshalb erlaube ich mir hier diese Landzunge in der Nordsee etwas zu beschreiben, damit sich jeder diesen Ort vorstellen kann. Es ist möglich, dass diese Landzunge mit bekannten Inseln, Halligen vergleichbar ist, eine Übereinstimmung mit vorhandenen Orten im Watt der Nordsee ist aber rein zufällig.
  • Die Landzunge besteht im wesentlich aus einem langezogenen Felsgrad und einigen kleineren Felsengruppen. Zwischen diesen gibt es erdige und sandige Bereiche. Die Felsen und Steine werden von Sand, Dünen, Sand und Kiesbänken umsäumt. Sträucher, Bäume und Gräser schaffen einige begrünte Bereiche, die sich lang über diese Landzunge ausdehnen. Bei Flut geht man maximal eine gute Stunde um die Insel, wobei man in 10 Minuten in der Breite und in gut 30 Minuten in der Länge die Insel durchschreitet, sofern man nicht irgendwelche Felsgrade zu umgehen hat. Ohne zu klettern gelangt man nicht oben auf die Felsen. Vogelkod und scharfe Kanten, sowie ungeeignete Steh- oder Sitzbereiche machen es unattraktiv die Felsen zu erklettern, auch weil es zwischen dem Grad begehbare Bereiche gibt. Auf welcher Seite der Landzunge ich mich aufgehalten habe, hing immer von der Windrichtung und dem Wetter ab. Bei schönem und heißem Wetter ist ein Wind sehr angenehm, kalter Regen mit einer steifen Brise verbringt man dann gerne im Windschatten direkt am Felsgrad. Ein stabiler Poncho bot mir immer genug Schutz und konnte auf der richtigen Seite der Landzunge als Regenschutz an den Felsen oder als Sonnenschutz und Sitzunterlage dienen.
  • Einmal war das Wasser also schon ein ganzes Stück abgelaufen, als ich im Watt eben jene Flasche sah und mich durch den Schlick zu ihr hin gemüht habe. Barfuss, mit ein wenig Vorsicht schaffte ich es, ohne ernsthaft steckenzubleiben, die Flasche zu bergen. Sie war unversehrt. Zurück kam ich dann an so allerlei Getier vorbei und hatte etwas Not mit dem Matsch am rechten Bein. Dieser dunkle schwarze Schlick im deutschen Watt, Weltkulturerbe soll ja gesund sein. Jedenfalls gab es das an dieser Landzunge auch: Das Watt.
  • 3. Das Watt

  • Das Watt ist jener Teil des Wattenmeeres, das als braun schwarze Masse zurückbleibt, wenn das Meer sich zurückzieht, um der Ebbe Platz zu machen. Es ist wie dieses fettige Zeug, das die Abflußrohre verstopft, nur beherbergt es eben ein paar Lebewesen darauf, dazwischen und wohl auch darunter. Oft und viel gesehen und beobachtet, es sind vor allem die Vögel wie Möwen, die sich auf dem Watt herumtreiben. Wattwürmer sind dann so die Tiere dazwischen, und die Flut läßt immer ein paar Besonderheiten zurück. Tang, Muscheln, und Erinnerungen an Menschen. Ein paar Schiffe, den Unrat, Plastikmüll, die Fähkalien. Quallen sind häufig, Wale dagegen selten . Krebse und Herzmuscheln und deren Reste, andere Muscheln, Sand und Kies kommen hier und da vor.
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